Nachverdichtung am Römer: Wohnungsmissbrauch statt Wohnraumschaffung

Schon vor dem Abschluss des Römerbauprojekts wurde kritisiert, dass sozialer Wohnbau in der neuen Altstadt nicht vorgesehen war. Wie die Frankfurter Rundschau bereits im Juli letzten Jahres berichtete, musste Michael Guntersdorf, Geschäftsführer der städtischen Dom-Römer-GmbH feststellen, dass der Wohnraum in der nachverdichteten Altstadt von einigen „Bewohnern“ zweckentfremdet wird. Statt die Eigentumswohnungen selbst zu beziehen, quartieren die Besitzer zu Wucherpreisen Kurzmieter ein. Dagegen unternehmen könne er nichts. Die Stadt hatte sich selbst die Hände gebunden – Regularien gegen den Missbrauch des Wohnraums waren in den Verträgen nicht vorgesehen. … Weiterlesen »Nachverdichtung am Römer: Wohnungsmissbrauch statt Wohnraumschaffung

Nachverdichtung ist schuld: Rollkofferflut bedroht den Römer!
Bildrechte: Sandra Pappe, www.sandrapappe.de

Kann jemand der Stadt Frankfurt mal einen guten Rechtsanwalt empfehlen, der beim Aufsetzen der Verträge hilft? Warum überhaupt Eigentumswohnungen statt städtischen Mietwohnungen? Vermietet wird jetzt sowieso, nur nicht von der Stadt selbst. Dafür leistet die Dom-Römer-GmbH Anlegern Unterstützung beim Profit auf Kosten der Allgemeinheit. „Nachverdichtung“ hat nämlich auch Nachteile, die alle Einwohner betreffen.

Wenn man Stadtpolitkern und Investoren glaubt, ist „Nachverdichtung“ DIE Lösung für die Wohnungsnot, von der vor allem Bezieher geringer und mittlerer Einkommen betroffen sind. Das Aufstocken bestehender Gebäude und die Erschließung innerstädtischer Freiflächen soll neuen Wohnraum schaffen und der Krise entgegenwirken. Nicht nur in Frankfurt sind die Stadtplaner vom Konzept der lockeren Bebauung abgekommen, die in den Zwischen- und Nachkriegsjahren angestrebt wurde.

Auch damals herrschte Wohnungsnot, die Nachteile einer verdichteten Bebauung wurden allerdings offenbar anders bewertet als heute. Ausreichend Licht, Luft und Grün war das Credo der Architekten der Moderne – für alle, nicht nur für Auserwählte. Die Altstadt Frankfurts mit ihren unhygienischen, nur von den Ärmsten notgedrungen hingenommenen Wohnverhältnissen entsprach genau der veralteten Bauweise, die durch eine fortschrittlichere Architektur überwunden werden sollte.

Neben den schon damals bekannten Nachteilen zu dichter Bebauung wurden in den vergangenen Jahrzehnten mit dem gewachsenen ökologischen Bewusstsein weitere Nachteile offenbar. Das Verbauen von Frischluftschneisen etwa oder die Vernichtung des Lebensraums von Fauna und Flora, wenn Grünflächen zu abgeschlossenen Zellen werden, statt ein für das Überleben der Arten notwendiges Netz zu bilden.

Angesichts dieser Nachteile sollte Nachverdichtung nur mit Umsicht eingesetzt werden und auch nur, wenn dadurch tatsächlich der benötigte Wohnraum für die Allgemeinheit geschaffen wird. Die Realität sieht leider anders aus.

Frankfurter Rundschau: Wuchermieten in der neuen Altstadt

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