Der künstlich erzeugte „Widerspruch“: Klimaschutz und Bezahlbares Wohnen. „Energetisches Dämmen“, Teil 3.

Mietproteste
Bildrechte: Sandra Pappe, www.sandrapappe.de

Einer der Faktoren, die die Akzeptanz der mit der GEG festgeschriebenen Verpflichtung zur energetischen Sanierung behindert, ist die ungerechte Verteilung von Kosten und Nutzen der Maßnahme. Dazu hat die deutsche Umwelthilfe gemeinsam mit dem Deutschen Mieterbund ein 10-Punkte-Sofortprogramm veröffentlicht.

Während Eigenheimbesitzer*innen ihre Investitionen für die Heizenergiereduktion über die Wertsteigerung ihres Besitzes langfristig wieder hereinholen können, wird die weniger privilegierte Schicht der Mieter im Übermaß an den Kosten beteiligt. Die versprochene Reduzierung der Nebenkosten steht dazu oft im Missverhältnis. Ein Mitspracherecht bei Art und Ausmaß der Maßnahmen besteht, wenn überhaupt, nur auf dem Papier. Aus Angst vor einer Kündigung wagen es viele Mieter nicht, wenigstens die Rechte wahrzunehmen, die ihnen gesetzlich zustehen.

Eine gerechte Verteilung von Kosten und Nutzen ist essentiell für das Gelingen der Maßnahmen

Darüber hinaus sorgen die wirtschaftlichen Strukturen für einen Marktnachteil ausgerechnet der am besten für eine klimagerechte Architektur geeigneten natürlichen Baustoffe. So lange deren Einsatz davon abhängig ist, dass einzelne klimabewusste Architekt*innen ihre Bauherrenschaft im Alleingang überzeugen müssen, bleibt klimagerechte Architektur eine elitäre Nische. Nachhaltigkeit darf nicht etwas sein, das man sich „leisten können“ muss.

Die flächendeckende Akzeptanz von Dämmmaßnahmen ist nur dann gewährleistet, wenn alle sozialen Schichten mitgenommen werden. Eine ungerechte Verteilung von Kosten und Nutzen der Klimaschutzmaßnahmen spielt deren Gegnern in die Hände.

10-Punkte-Sofort-Programm

Um es auch Nichtbesitzern von Wohneigentum zu ermöglichen, sowohl klimagerecht als auch gesund und bezahlbar zu wohnen, hat die deutsche Umwelthilfe Anfang 2020 gemeinsam mit dem deutschen Mieterbund ein 10- Punkte- Sofortprogramm erstellt. Damit möchten DUH und DMB Versuche unterbinden, Klimaschutz und Bezahlbares Wohnen gegeneinander auszuspielen. Neben Fördermaßnahmen und einer gerechteren Kostenaufteilung zwischen Staat, Mietern und Vermietern soll dem Missbrauch der Sanierungen zur Immobilienspekulation vorgebeugt werden. Dazu fordern DMB und die deutsche Umwelthilfe unter anderem die Vermehrung des kommunalen Wohnungsbestandes und ein Verbot der „Share Deals“, mit denen die Zahlung der Grundsteuer umgangen wird.

Die Anhebung des kommunalen Wohnungsbestandes wäre ein erster wichtiger Schritt. Maßnahmen zur Begrenzung der Klimakatastrophe müssen ebenso wie die Behebung der Wohnungsnot wieder zur Staatsaufgabe werden. Wenn klimagerechte Projekte Profit abwerfen müssen, können sie sich nicht über den Almosenstatus des Trickle-Down-Effects hinaus entwickeln.

Heizenergieverlust: Nur das Symptom einer klimafeindlich ausgerichteten Branche

Die hohe Emissionsrate durch ineffektives Heizen bzw. unzureichend gedämmte Häuser ist nur das Symptom eines auf Immobilienspekulation und privatwirtschaftliche Profite ausgerichteten Wohnungswesens. Um die Ursache anzugehen, müssen die darauf ausgerichteten Strukturen in Frage gestellt und reformiert werden. Die größte Klimabelastung im Bausektor wird nicht durch Heizwärme erzeugt, sondern durch das Primat des Neubauens.

„Energetisches Dämmen“: Unvollkommene Maßnahme zum Klimaschutz

Teil 1: Überholtes Regelwerk und privatwirtschaftliche Interessen behindern Innovationen im Klimaschutz

Teil 2: Klimaschäden durch Kompensation: Gebäudeemission reduziert, Verkehrsemission erhöht

Teil 3: Der künstlich erzeugte „Widerspruch“: Klimagerecht und bezahlbar wohnen

Teil 4: Elefant im Raum: Klimakiller Bauboom

Hintergrundinformationen:

10-Punkte-Sofortprogramm der DUH und des DMB

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