Klimaschäden durch Kompensation: Gebäudeemission reduziert, Verkehrsemission erhöht. „Energetisches Dämmen“, Teil 2.

Kompensation
Bildrechte: Sandra Pappe, www.sandrapappe.de

Es ist unbestritten, dass eine Reduktion von Heizenergie eine entlastende Wirkung auf das Klima hat. Die Frage ist allerdings, ob die Fokussierung auf die Reduzierung von Heizenergie nicht andere Probleme für das Klima im Schlepptau hat, die den Effekt aufheben oder gar zu einer Verschlechterung der Bilanz beitragen. Es wäre nicht das erste Mal, dass Umweltargumente vorgeschoben werden, wenn es um wirtschaftliche Interessen geht.

Laut Umweltbundesamt soll die Kompensation von CO2-Emissionen der „letzte Schritt“ sein, das „was übrig bleibt“, wenn man klimabewusst handelt. Emissionen vermeiden und verringern sei immer besser. Wo die Grenzen des Vermeidens und Verringerns liegen und wie viel, was und warum überhaupt etwas übrig bleibt, ist nicht genauer definiert. Die schwammige Formulierung lässt sich beliebig weit auslegen und lädt zu Missbrauch geradezu ein. Regelungen dieser Art gab schon im Mittelalter, damals nannte man das Ablasshandel.

Wer Geld und Zeit in energetische Dämmmaßnahmen steckt, um etwas für das Klima zu tun, möchte damit wohl kaum dazu beitragen, dass – zum Beispiel – mehr SUVs verkauft werden. Der deutschen Automobil-Industrie ist es mit Hinweisen auf ihre wirtschaftliche Bedeutung immer wieder gelungen, Klimaschutzauflagen durch Kompensation aus anderen Bereichen abzufangen. Über das Kompensationsmodell hat Frau Merkel in der EU wiederholt Wirtschaftshilfe für die Automobil-Industrie geleistet und damit Maßnahmen zur Reduktion der Klimabelastung in eine Erhöhung derselben umfunktioniert.

Das für eine flächendeckende Heizenergiereduktion im deutschen Bausektor prognostizierte hohe Einsparvolumen macht diese Maßnahme als Kompensationsangebot besonders attraktiv. Die der deutschen Automobil-Industrie erlassenen EU-Auflagen zu emissionsärmeren Motoren steht in direktem Zusammenhang mit der politischen Fixierung auf das „Energetische Dämmen“. Offensichtlich hat die Angst vor einem Verlust der Marktstellung als führende Hersteller für besonders verbrauchsintensive und schwere Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor mehr Gewicht als der Klimaschutz.

Ohne eine Abkehr vom Kompensationsmodell bleibt das „Energetische Dämmen“ weiterhin das Vehikel für eine versteckte Wirtschaftsförderung einer klimafeindlichen Industrie. Unter dem Strich wird damit aus einer Klimaschutzmaßnahme eine Klimabelastungsmaßnahme.

Hintergrundinformationen:

Süddeutsche Zeitung: „Deutschland gegen strengere CO2-Grenzwerte. Das dreisteste was ich in acht Jahren Brüssel erlebt habe“

Zeit: Klimaschutz „Merkel ist der Autolobby zu Diensten“

Spiegel: CO2-Emissionen „Bundesregierung will EU-Abgaskompromiss torpedieren“

deutschlandfunk: „Merkel stellt sich schützend vor die Autoindustrie.“

Deutschlandradio: „Dicke Luft in Brüssel“

FAZ: „Wie die Autoindustrie sich in Berlin und Brüssel durchsetzt“

Blogbeiträge:

„Energetisches Dämmen“: Unvollkommene Maßnahme zum Klimaschutz

Teil 1: Überholtes Regelwerk und privatwirtschaftliche Interessen behindern Innovationen im Klimaschutz

Teil 2: Klimaschäden durch Kompensation: Gebäudeemission reduziert, Verkehrsemission erhöht

Teil 3: Der künstlich erzeugte „Widerspruch“: Klimagerecht und bezahlbar wohnen

Teil 4: Elefant im Raum: Klimakiller Bauboom

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