„Energetisches Dämmen“: Unvollkommene Maßnahme zum Klimaschutz

Energetisches Dämmen: Unvollkommene Maßnahme zum Klimaschutz
Bildrechte: Sandra Pappe, www.sandrapappe.de

Am 1. November 2020 tritt das neue Gebäudeenergiegesetz (GEG) in Kraft. Vor allem die Förderung der Maßnahmen zum „Energetischen Dämmen“ soll zu einer erheblichen Reduzierung von CO2-Emissionen beitragen. Dabei geben die Behörden selbst ein schlechtes Signal für eine kontrovers diskutierte Maßnahme. Laut Klimacheck der Deutschen Umwelthilfe genügen gerade einmal vier Ministeriumsbauten den Vorgaben, alle sonstigen Bundesgebäude fielen durch. Stellt die GEG in ihrer vorliegenden Form wirklich einen sinnvollen Beitrag zum Klimaschutz dar? Fachleute stellen u. a. die dem Gesetz zugrunde liegenden Berechnungsmethoden schon seit Längerem in Frage.

Über Sinn und Zweck der „Energetischen Sanierung“ wird heftig gestritten. Die einen verweisen auf das hohe Einsparpotential an Heizenergie und die damit verbundene CO2-Reduzierung. Andere sprechen von Green Washing und monieren Sanierungsschäden, die fehlende Berücksichtigung des Grey-to-Green Konzepts oder die schlechte Öko-Bilanz vor allem der erdölbasierten Industriedämmstoffe.

Der emotionalisierte Diskurs verhindert eine differenzierte Ausgestaltung der Maßnahmen, ohne die das eigentliche Ziel, die Begrenzung der Klimakatastrophe, nicht gewährleistet ist. Darüber hinaus lenkt die Fokussierung auf die Einsparung von Heizenergie von anderen wichtigen, den Bausektor betreffenden Klimaproblemen ab. Allen voran dem Bauboom (Teil 4), der durch Boden- und Ressourcenvernichtung für immense Klimaschäden sorgt. Veraltete Berechnungsmethoden und das Primat konventioneller Industriedämmstoffe, die schon lange nicht mehr zeitgemäß sind, behindern innovative Lösungen (Teil 1). Kompensationsmodelle zugunsten klimaschädigender Industrien verkehren die von der Maßnahme erhofften Klimaschutzeffekte in ihr Gegenteil (Teil 2). Ohne regulierende Vorgaben ermöglicht die GEG den Missbrauch der „Energetischen Sanierung“ durch Immobilienspekulanten und bringt damit weite Teile der Bevölkerung gegen die Klimaschutzmaßnahmen auf (Teil 3).

Teil 1: Überholtes Regelwerk und privatwirtschaftliche Interessen behindern Innovationen im Klimaschutz

Teil 2: Klimaschäden durch Kompensation: Gebäudeemission reduziert, Verkehrsemission erhöht

Teil 3: Der künstlich erzeugte „Widerspruch“: Klimagerecht und bezahlbar wohnen

Teil 4: Elefant im Raum: Klimakiller Bauboom

Hintergrundinformationen:

Die Dienstsitze der Ministerien im Klima-Check: Bundesregierung fährt Klimaschutz in Gebäuden an die Wand

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